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Leider liegen uns noch keine Presseberichte vor!

Doch hier ein paar Zeilen zur
Enstehungsgeschichte des Werkes 'Bernsteinzimmer':

Es ist immer eine Herausforderung, an einem Autorenwettbewerb teilzunehmen, aber kein Autor sollte erwarten, jedes Mal der Gewinner zu sein. Zumal, wenn im Wettbewerb nur ein einziger Preis ausgeschrieben ist.

Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau ist solch ein renommierter Literaturpreis, um den sich 2013 auch Volker Lüdecke bewarb. Thema der Ausschreibung war das Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“.

Sein szenischer Entwurf für ein modernes Jugendtheaterstück kam bis in die letzte Runde der Jury, doch dann gewann ein anderer Bewerber. Was dazu führte, dass Volker Lüdecke die erste Szenenfolge dieses Stücks in den Ordner „Fragmente“ verschob, wo sie erst einmal unberührt blieb.

Erst 2016 fing er erneut an, daran weiterzuschreiben, denn er entdeckte die Figuren seines Textes zunehmend in der Wirklichkeit wieder.
Zum Beispiel las er Berichte über die Verbreitung der Droge Crystal Meth, die besonders in ländlichen Gebieten Ostdeutschlands ein Problem darstellt, wo eine durch hohe Arbeitslosigkeit verursachte Landflucht stattfindet.
Nicht einmal der schnelle körperliche Verfall hält die Süchtigen davon ab, diese vor allem billige Droge zu konsumieren.

Auch die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebensumstände durch politische Parteien scheint in weiten Kreisen der Bevölkerung erodiert, denn bei Wahlen ist die Anzahl der Nichtwähler immens hoch.

Die Debatte um Parallelgesellschaften in Deutschland nimmt derzeit an Fahrt auf, wird jedoch hauptsächlich auf Immigranten und deren unterschiedlichen kulturellen Prägungen bezogen. Dass mittlerweile eine Vielzahl von deutschen Parallelgesellschaften entstanden sind, die sich politischer oder gesellschaftlicher Aktivitäten bewusst enthalten, wurde bislang höchstens unter dem nichtssagenden Begriff der „Partei der Nichtwähler“ zusammengefasst. Eine differenzierte Betrachtung des Phänomens sieht anders aus.

Wer sind diese Heranwachsenden, diese Bürger unserer Demokratie, die es nicht mehr schafft, einen großen Anteil der Bevölkerung zu integrieren?
Ist es möglich, denjenigen auf der Bühne ein Gesicht zu geben, das ihnen entspricht und sie aus ihrer Anonymität herausholt?

Einen Versuch wäre es wert. Wenn allzu viele unterhalb des Radars eines sozialen Gemeinsinns bleiben, entsteht die Gefahr einer vollkommenen Abkoppelung von gesellschaftlichen Werten und Normen.

Dieser Gefahr kann Theater entgegenwirken. Und zwar nicht mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger, der platten Message oder der oberlehrerhaften, selbstgewissen Belehrung. Sondern mit einem Beistand für diejenigen Jugendlichen und Erwachsenen, die sich in unserer Gegenwart nicht zuhause fühlen.
Ein sich Spiegeln in Bühnenfiguren kann vielleicht zu einer bisher nicht gekannten, und vor allem, nicht bevormundeten Selbsterkenntnis führen.

Volker Lüdecke, 2017